Permittivität – Bedeutung, DK-Wert und Messung

Permittitivität über Frequenz

Permittivität εr beschreibt, wie stark ein Material auf ein elektrisches Feld reagiert bzw. dessen Ausbreitung beeinflusst, und ist eine zentrale, meist frequenzabhängige Materialkenngröße εr (f) in der dielektrischen Cha­rak­te­ri­sie­rung.

Permittitivität über Frequenz

In der Praxis wird dazu häufig die relative Permittivität (Dielektrizitätskonstante bzw. DK-Wert) als dimensionsloses Verhältnis zur Permittivität des Vakuums über einen Frequenzbereich bestimmt – etwa per dielektrischer Spektroskopie – als wichtiger Baustein für Materialqualifizierung und Qualitätssicherung.

Was ist Permittivität? Bedeutung & Definition

Die Permittivität ε ist eine physikalische Materialkonstante, die beschreibt, wie stark ein Material die Ausbreitung eines elektrischen Feldes beeinflusst.

Sie wird auch als Dielektrizitätskonstante bezeichnet und in der Praxis meist synonym mit dem gebräuchlicheren DK-Wert verwendet, der genaugenommen die relative Permittivität εr meint. Da die Permittivität meist von der Frequenz abhängt, wird sie in der Praxis häufig in Abhängigkeit der Frequenz angegeben ε (f) statt als einzelner fester Wert – meist in Form der relativen Permittivität εr (f), die im nächsten Abschnitt genauer betrachtet wird.

Relative Permittivität & DK-Wert

Die relative Permittivität εr beschreibt das Verhältnis der Permittivität eines Materials zur Permittivität des Vakuums ε0 (auch elektrische Feldkonstante genannt) und ist damit eine dimensionslose Größe: εr = ε / ε0. In der Praxis wird sie meist einfach als DK-Wert bezeichnet – beide Begriffe meinen in aller Regel dieselbe Größe.

Zur Abgrenzung: Die absolute Permittivität ε beschreibt die tatsächliche elektrische Feldbeeinflussung eines Materials und ist – anders als εr – eine dimensionsbehaftete Größe (mehr dazu im nächsten Abschnitt). Sie setzt die relative Permittivität lediglich ins Verhältnis zum Vakuum und ist damit deutlich einfacher zu handhaben – weshalb sie in der Praxis, etwa in Datenblättern und Messberichten, die gebräuchlichere Angabe ist.

Einheit der Permittivität

Die SI-Einheit der absoluten Permittivität ε ist Farad pro Meter (F/m) – dieselbe Einheit wie die der elektrischen Feldkonstante ε0 (ε0 = 8,854 · 10-12 F/m). In Datenblättern und Fachliteratur wird ε teils auch in As/(Vm) angegeben, was physikalisch identisch ist, da 1 F = 1 As/V.

Da die relative Permittivität εr als Verhältnis zweier Größen mit gleicher Einheit definiert ist, kürzt sich die Einheit entsprechend heraus – sie bleibt somit dimensionslos. Datenblätter, Messgeräte und Software geben daher in aller Regel nur eine Zahl ohne Einheit an (z.B. εr = 4,3).

Kenngröße Symbol Einheit
Absolute Permittivität ε [F/m]
Permittivität des Vakuums ε0  = 8,854 · 10-12 [F/m]
Relative Permittivität / DK-Wert εr [1]

Permittivitätswerte im Vergleich (Luft, Wasser & Co.)

Medium εr bei 1MHz Anmerkung
Vakuum 1,0 per Definition exakt
Luft ≈ 1,0006 bei 20°C, 1atm
Destilliertes Wasser ≈ 80 bei 20°C
Ethanol ≈ 24 bei 20°C
Transformatorenöl ≈ 2,2 bei 20 °C, nahezu frequenzunabhängig
Teflon (PTFE) ≈ 2,1 bei 20 °C, nahezu frequenz- und temperaturunabhängig
FR4 3,8 – 4,8 stark abhängig von Harzgehalt & Hersteller
Keramik
(X7R, MLCC)
2000 – 3500 gängiges Dielektrikum in Keramik-Kondensatoren, stark temperatur- und spannungsabhängig

Die angegebenen Werte beziehen sich auf 1MHz und Raumtemperatur (ca. 20°C). Bei einigen Materialien – insbesondere Wasser und Ethanol – hängt der DK-Wert zusätzlich spürbar von der Temperatur ab, bei Keramik-Kondensatoren (X7R) zudem von der angelegten Spannung.

Komplexe Permittivität & dielektrischer Verlustfaktor

Die komplexe Permittivität beschreibt sowohl die Energiespeicherung als auch die Energieverluste eines Materials im elektrischen Feld – beide typischerweise in Abhängigkeit von der Frequenz:

εr (f) = ε ' (f) − j · ε " (f)

Der Realteil ε ' entspricht dabei der klassischen relativen Permittivität und beschreibt, wie viel elektrische Energie ein Material speichern kann. Der Imaginärteil ε " erfasst dagegen die dielektrischen Verluste – also den Anteil der Feldenergie, der im Material in Wärme umgewandelt wird.

Das Verhältnis aus beiden Größen ergibt den dielektrischen Verlustfaktor tan δ = ε " / ε '. Er gibt an, wie verlustbehaftet ein Material bei einer bestimmten Frequenz ist.

Frequenzabhängige Permittitivität von destilliertem Wasser

Das Diagramm zeigt Real- und Imaginärteil der Permittivität von destilliertem Wasser im Frequenzbereich von 100 MHz bis 100 GHz. Bei niedrigen Frequenzen bleibt ε ' nahezu konstant bei rund 80 – dem statischen DK-Wert von Wasser. Oberhalb von etwa 5 GHz fällt ε ' deutlich ab, während ε '' ein Maximum bei rund 20 GHz durchläuft. Dieser Verlauf ist typisch für eine sogenannte Relaxation (nach Debye): Die Wassermoleküle können der Feldänderung ab einer bestimmten Frequenz nicht mehr verzögerungsfrei folgen, wodurch ein Teil der Feldenergie in Wärme umgewandelt wird.

Permittivität & Kondensator

Die Wirkung der Permittivität lässt sich besonders gut am Beispiel des Plattenkondensators zeigen – etwa bei Keramikkondensatoren, deren hohe Kapazität maßgeblich auf dem hohen DK-Wert der verwendeten Keramik beruht. Ein Plattenkondensator speichert elektrische Energie in einem elektrischen Feld zwischen zwei Elektroden.

Schaubild eines Plattenkondensators mit eingebrachtem Dielektrikum zwischen den Elektroden

Wird zwischen den Platten statt Vakuum ein Dielektrikum eingebracht, erhöht sich die Kapazität um genau den Faktor εr – die relative Permittivität des verwendeten Materials. Für einen Plattenkondensator mit Fläche A und Plattenabstand d gilt entsprechend:

C = εr · ε0 · A / d

Je höher die Permittivität des Dielektrikums, desto mehr Ladung kann bei gleicher Spannung und Geometrie gespeichert werden. Dieser Zusammenhang macht die Kondensatormessung zu einer möglichen Methode, um die Permittivität eines Materials messtechnisch zu bestimmen – etwa über die Kapazitätsänderung, die ein Probenmaterial zwischen den Elektroden bewirkt.

Permittivität messen – dielektrische Spektroskopie mit TDR & VNA

Die vorangegangenen Abschnitte zeigen: Permittivität ist selten ein einzelner, fester Wert – sie hängt von der Frequenz ab und wird durch Real- und Imaginärteil vollständig beschrieben. Um dieses Verhalten zuverlässig zu erfassen, bietet sich die dielektrische Spektroskopie an, bei der die komplexe Permittivität εr über einen breiten Frequenzbereich gemessen wird – etwa mit den Sequid TDR-Messgeräten oder mit vektoriellen Netzwerkanalysatoren (VNA) .

Eine präzise Messung des DK-Werts ist in der Praxis aus mehreren Gründen wichtig:

  • Materialcharakterisierung neuer oder unbekannter Substanzen
  • Qualitätssicherung in der Fertigung
  • Frühzeitige Erkennung von Chargenschwankungen
  • Verlässliche Eingangsdaten für neue Designs

Weiterführende Links zum Thema

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FAQ – Häufige Fragen zur Permittivität

Die absolute Permittivität ε (Einheit F/m) beschreibt die tatsächliche elektrische Feldbeeinflussung eines Materials. Die relative Permittivität εr setzt diesen Wert ins Verhältnis zum Vakuum, ist dimensionslos und wird in der Praxis meist einfach als DK-Wert bezeichnet.

Der DK-Wert ist die gebräuchliche Kurzbezeichnung für die relative Permittivität εr eines Materials. Er gibt an, um welchen Faktor sich die elektrische Feldstärke im Material gegenüber Vakuum verändert, und ist dimensionslos.

Die absolute Permittivität ε wird in Farad pro Meter (F/m) angegeben. In der Praxis ist es jedoch üblich, stattdessen nur die relative Permittivität εr bzw. den DK-Wert anzugeben, da diese als Verhältnis zweier Größen mit gleicher Einheit dimensionslos ist.

Die Permittivität eines Materials wird meist mittels dielektrischer Spektroskopie bestimmt – also durch Messung über einen Frequenzbereich. Dafür gibt es diverse Verfahren:

  • Offene Koaxialsonde, die auf das Material aufgesetzt wird
  • Plattenkondensator-Methode, bei der das Material zwischen zwei Elektroden platziert wird
  • Hohlraumresonator-Methode für sehr präzise Messungen bei einer festen Frequenz
  • Übertragungsleitungs-Methode, bei der die Probe in einen Wellenleiter oder ein Koaxialsystem eingebracht wird