Komplexe Permittivität & dielektrischer Verlustfaktor
Die komplexe Permittivität beschreibt sowohl die Energiespeicherung als auch die Energieverluste eines Materials im elektrischen Feld – beide typischerweise in Abhängigkeit von der Frequenz:
εr (f) = ε ' (f) − j · ε " (f)
Der Realteil ε ' entspricht dabei der klassischen relativen Permittivität und beschreibt, wie viel elektrische Energie ein Material speichern kann. Der Imaginärteil ε " erfasst dagegen die dielektrischen Verluste – also den Anteil der Feldenergie, der im Material in Wärme umgewandelt wird.
Das Verhältnis aus beiden Größen ergibt den dielektrischen Verlustfaktor tan δ = ε " / ε '. Er gibt an, wie verlustbehaftet ein Material bei einer bestimmten Frequenz ist.
Das Diagramm zeigt Real- und Imaginärteil der Permittivität von destilliertem Wasser im Frequenzbereich von 100 MHz bis 100 GHz. Bei niedrigen Frequenzen bleibt ε ' nahezu konstant bei rund 80 – dem statischen DK-Wert von Wasser. Oberhalb von etwa 5 GHz fällt ε ' deutlich ab, während ε '' ein Maximum bei rund 20 GHz durchläuft. Dieser Verlauf ist typisch für eine sogenannte Relaxation (nach Debye): Die Wassermoleküle können der Feldänderung ab einer bestimmten Frequenz nicht mehr verzögerungsfrei folgen, wodurch ein Teil der Feldenergie in Wärme umgewandelt wird.